TdE – Fahren in einer anderen Dimension

Am letzten Wochenende stand für die Scuderia Suedstadt  mit der Tour d‘Energie in Göttingen der zweite Renntermin des Jahres auf der Agenda. (Über die Besetzungscouch des Teams wurde bereits berichtet.) Bevor dieser Text abhebt,  aus der subjektiven Rennwahrnehmung des Autoren einige soziohypothetische Stammtischparaphrasen zur Charakteristik des Jedermannrennens an sich zu verlieren, sei gesagt: Danke für die geile Orga, denn wie gewohnt zeigte sich der Göttinger Jedermannklassiker von seiner besten Seite!

Galaktische Organisation

Zuerst das Wetter: Man kredenzte deftigen Ostwind auf feinem Scuderia-Sonnenschein. Dann die Strecke: Im Vergleich zum Vorjahr noch verbessert, durch Austausch der Buckelpiste zwischen Brahmwald und Varlosen. Wenn jetzt im nächsten Jahr noch (wie Gerüchte verlauten lassen) der Start zu Ungunsten der – wenngleich gut neutralisierten, dennoch halsbrecherischen – Abfahrt von den Zietenterassen (= Berg) ins Tal verlegt wird, wäre die Route perfekt. Auch das ein sponsoringbedürftiges Profirennen im Vergleich zu Rund um Köln hier fehlt macht sich nur positiv bemerkbar, denn man bekommt in Göttingen einfach mehr für sein Geld: Neben dem üblichen werbewirksamen Altpapier nebst Trinkflasche sind T-Shirt, Frühstück, Pasta-Party, einen Ausgabe der Tour, Abstinenzlerweißbier und mit ein wenig Anstehen sogar Massage inklusive! Ich fasse zusammen: In puncto Service bewegten wir uns am Sonntag in einer anderen Dimension.

Typische Rennverläufe

Auf Grund der traditionell verplanten Anmeldung durch die Scuderia war unser Team leider schon vom Start weg auf verschiedene Startblöcke verteilt. So kamen wir in den Genuss durchaus unterschiedlicher Rennsituationen. Während es durchweg der Fall war, dass der leicht ansteigende Abschnitt von Mengershausen nach Jühnde (160 Hm auf 4 km) aussiebende Funktion übernahm, waren Situationen mit Attacken, Taktieren, etc. wie man sie aus dem Fernsehen oder von Vereinsrennen kennt wohl eher der Spitzengruppe vorbehalten. So kann man es jedenfalls bei der gesponserten Profijedermannkonkurrenz nachlesen. Doch auch unser Torsten berichtete davon, in der gegenwindigen Abfahrt vom Hohen Hagen zum Ziel in Göttingen in einer gut funktionierenden Fünfergruppe mit abwechselnder Führungsarbeit unterwegs gewesen zu sein.

Etwas weiter hinten auf der Strecke begegnete mir hingegen das übliche Jedermannschauspiel: Alle fahren einem zunächst schnellen Mann hinterher bis der irgendwann nicht mehr kann. Das Feld bummelt dann so lange, bis sich entweder vorne der nächste schnelle Mann erbarmt oder von hinten ein schneller Mann ungeduldig wird und nach vorne drängt. Aus diesen chaotischen Führungswechseln resultiert dann noch das regelmäßige Anschluss-verpassen, was bei dem Wind den wir hatten schon mal das ein oder andere Feld sprengen kann. Man war also gut beraten vorne zu Fahren; und hört man diesen taktischen Hinweis nicht doch auch schon mal in der Profi-Dimension? Außerdem hatten wir mit Sicherheit den professionellsten Fanclub, der sich auf den Brahmwald, den Hohen Hagen und die Zielgerade verteilt hatte.

Zielsprint

Das bemerkenswerteste an unseren Zielsprints sind sicherlich die großartigen Fotos, die Clara für uns gemacht hat. Danke!

Von meiner Einfahrt auf die Zielgerade kann ich berichten, dass ich zunächst etwas überrascht war, das der Sprint bereits nach der letzten Kurve, also etwa 500m vor der Ziellinie eröffnet wurde. Ich hatte sogar das Hinterrad des Mannes, der den Sprint meiner Gruppe gewann, aber als er nach rechts zog war ich eingebaut und musste ihn fahren lassen. Mit anderen Worten: Ausreden. Ich war nicht schnell genug, aber nah dran.

Auch in Jonas Gruppe wurde mächtig am Horn gezogen. Auch wenn er ein paar Fahrer vorlassen musste, so hat ihn das Fahnewedeln dennoch ordentlich angetrieben.

Wie das Bild ganz oben zeigt, war Thomas Konkurrenz im Gegensatz zu ihm auf der Bürgerstr. ziemlich farblos unterwegs.

Hier noch ein Bild der diesjährigen TdE-Zielaufstellung mit Tortsten, Jonas, Thomas und mir:

Das ausgegebene Ziel „Top Ten“ wurde zwar verfehlt, aber wir sind dennoch zufrieden, in der GCC-Team-Gesamtwertung den beachtlichen 21. Platz erreicht zu haben (ermöglicht durch taktisches Geschick bei der Planung des Rennkalenders).

 

Kette rechts!

Teampräsentation Tour d‘Energie

Die Vorbereitung ist zu Ende – das Team für den Göttinger Klassiker steht!

 

Mit ca. 2 Wochen Verspätung haben wir euch auf Facebook über unsere Erfolge bei Rund um Köln informiert. Kommenden Sonntag steht schon das nächste Rennen an, bei dem wieder einige Scuderisti teilnehmen werden – die Tour d’Energie in Göttingen.

Für Ole und Jonas ist es ein Heimspiel, die beiden sind von Anfang an dabei und haben jeder nur ein Rennen verpasst – es ist also die 6. Teilnahme für beide. Zudem konnten wir 3 weitere Scuderiabegeisterte davon überzeugen, in Göttingen für uns zu fahren, sodass wir mit 5 Fahrern auf die Jagd der Top 10 in der German Cycling Cup – Teamwer-tung gehen werden.

 

Thorsten fährt nach seiner Premiere im letzten Jahr schon das zweite Mal für uns und ist unsere große Hoffnung für die Spitzenzeit 😉

PaOle, unser Capitano und Classementfahrer, ist nach seinem grandiosem Erfolg bei Rund um Köln dieses Jahr einiges zuzutrauen.

Jonas hat ordentlich trainiert und seitdem er in Wuppertal wohnt auch schon eine Menge Höhenmeter geschaufelt. Das bringt ihm Kraft und eine gute Ausgangslage für den Zielsprint auf der leicht ansteigenden Zielgeraden auf der Bürgerstraße.

Mit Thomas und Äändy haben wir noch zwei hochmotivierte Lokalmatadore im Team, die die Strecke aus dem FF kennen.

Die Aussichten auf Sonntag sind also besonders vielversprechend, das Wetter wird wunderbar sommerlich, sodass die Räder im Glanz erstrahlen werden!

 

Also seid dabei und peitscht die Scuderia den Hohen Hagen hoch oder feuert den Zielsprint an! Für alle die kommen, bringt unser Fanclub Fähnchen mit! Wir sind jetzt schon heiß und freuen uns auf großartige Unterstützung!

Eure Scuderia 🙂

Banana-Joe.

RüK-schau

Bevor es am Sonntag bei der Göttinger Tour d‘Energie schon wieder ins Rennen geht und nachdem schon einiges zur Trikotaktion geschrieben wurde, sollen noch ein paar Sätze über das Renngeschehen bei Rund um Köln (RuK) verloren werden.

Dieses Jahr wären wir für die 120km-Strecke fast ein wenig in Personalnot geraten, da drei Scuderisti ihre Anmeldung von ihrem Verletzungsstatus nach einem gewissen Fishermans-Strongman-Run abhängig machten. Daher konnten sie sich erst nach der Frist für Teamzumeldungen zum Rennen einschreiben (und entschieden sich nebenbei bemerkt mangels Vorbereitungszeit lieber für die 60km-Strecke). So wären wir mit drei Verbliebenen auf der 120km-Strecke mit drei Mann einer zu wenig für die Teamwertung gewesen, wäre nicht noch Leo (oberes Foto links) zu uns gestoßen. Weil nun also (nach Axel) schon der zweite Fahrer aus unserem Farmteam RV Teutoburg Brackwede zu uns kam, wollen wir uns bei diesem Verein gerne erkenntlich zeigen, indem wir an dieser Stelle alle Leser auf das empfehlenswerte Jedermannrennen dieses Vereins hinweisen! Hier gibt es Infos zum Programm und zur Anmeldung.

Gleich nach dem Start, an dem wir uns diesmal (bauernschlau und nicht wie im Vorjahr) nicht in unserem Startblock ganz hinten einreihten, gingen 1000 Jedermänner direkt ab wie Zäpfchen und legten ordentlich Tempo vor. Jäh gebremst wurden sie dann von einem der zahlreichen Stürze (rad-net.de berichtete) von dem ein besonders heftiger am Fuß des Anstieges nach Bechen immerhin die  (inzwischen auf verschiedene Gruppen verteilten) Scuderisti wieder vereinte. Spätestens nach den zwei kurzen, knackigen Anstiegen in Sand, am Bensberger Schloß und dem etwas zäheren Hang von Hoffnungsthal nach Lüghausen wurde das Tempo im Feld merklich langsamer, die Gruppen kleiner und die Jedermänner abgekämpfter.

Mit zunehmender Zahl gesammelter Höhenmeter entschied ich mich zunehmend, mein eigenes Tempo zu fahren. Ein freundlicher Streckenposten rief mir dann etwa bei km 82 euphorisch zu: „Nur noch 27:10 bis zur Spitze, Junge!“ Das brachte natürlich meinen Siegeswillen zurück. Dank irgendwelchen verrückten Tempobolzern, die ich zwischen Rösrath und Köln vor der Nase hatte, erwies sich das als Prophezeiung und ich kam tatsächlich mit genau 27:10 Min. Rückstand im Rheinauhafen an. Tausend Dank exemplarisch an einen gewissen Timo Stein, an dessen Rückennummer ich mich in diesem Zusammenhang noch erinnere.

Im Ziel hatte ich dann nichts mehr zuzusetzen und da eh nicht von Gruppe oder Feld gesprochen werden konnte (sondern eher unzählige vereinzelte Grüppchen), sparte ich mir den Sprint und versuchte am Hinterrad des Vordermannes zu bleiben, was (wie man unten sieht) schon schwer genug fiel.

Wenngleich es auf der Strecke wunderschön war, das Fahren zwischen Peloton und jubelnder Masse (wie z.B. in Sand und Bensberg) den nötigen Kick gab und wohl das ein oder andere körpereigene Opiat ausgeschüttet wurde, war ich im Ziel dann doch froh, im Ziel zu sein.

Der späte Ostertermin (der im Umkehrschluss mehr Vorbereitung ermöglichte) tat das seinige hinzu: Mein Zieleinlauf war erstaunlicherweise knapp 20 Minuten früher, als letztes Jahr. Überhaupt konnte jeder von uns seine Vorjahreszeit verbessern und auch in der Teamwertung sind wir diesmal unglaublicher dritt- statt 2010 vorletzter geworden 🙂 . 2012 kommen wir dann wohl ins Ziel, bevor wir am Start sind, falls nämlich das Rennen wirklich in den Sommer verlegt werden sollte, sowie es Gerüchte verlauten lassen (welche uns nebenbei auch verdeutlichen, dass wir Jedermänner hier gemolken werden um die Dopingängste der deutschen Profiradsportsponsoren auszubügeln).

Last but not least sei noch die hervorragende Betreuung auf der 120er-Strecke durch Hannah dankend erwähnt, die nach einem Tag Betreuungsarbeit selbstverständlich mit auf das Nachher-Foto gehört.

Unsere Equipe auf der 60er-Runde ist zwar lange Wartezeiten von der bereits Eingangs erwähnten Strongmanveranstaltung gewohnt, machte aber auf der Kurzdistanz alles andere als halblang und bügelte mit einem unfassbaren 35er-Schnitt durchs Bergische. Es sollte daher ernsthaft in Erwägung gezogen werden, Grabenkämpfe und Schlammtauchen dauerhaft ins Radtrainingsprogramm einzubauen.

Mindestens genau so bemerkenswert ist, dass sie es geschafft haben fast über die gesamte Distanz zusammen zu bleiben und dabei keine Mittel scheuten, dieses Teambuilding zu erreichen: Nachdem Günter die Pace am  Anstieg nach Bechen etwas zu aufopferungsvoll gemacht hatte und leicht zurückfiel, verhakelte sich Tobi extra am Bensberger Schloss mit einem fremden Lenker, so dass Günter wieder zu ihm und Älex aufschließen konnte. Im Ziel waren dann alle drei innerhalb von drei Sekunden Nettozeit angekommen. Zielsetzung für nächstes Jahr: Drei Kölsch(e) in drei Sekunden im Zielbereich sorgen wieder für gute Stimmung.

Dolce Velo!

Des Radlers neue Kleider

Dies Bild stammt nicht von der Präsentation eines heiß ersehnten neuen deutschen Pro-Tour-Teams sondern vom Morgen des Ostermontag 2011.

Vor dem Start der Rund um Köln Challenge stattete nämlich RWE 100 Jedermänner mit neuen Radtrikots aus.

Weil Jonas jüngst den aus Funk und Fernsehen bekannten RWE-Boss Großmann beim „Kamingespräch“ vom Trikotsponsoring bei der Scuderia Suedstadt überzeugte (Lobbyarbeit für den Radsport?), kam der Kontakt mit der Marketingabteilung von RWE zustande. Diese unterbreitete uns daraufhin den Vorschlag an einer Sponsoringaktion für einen guten Zweck teilzunehmen. Wir sollten bis zu 100 Rund-um-Köln-Challenger dazu bringen, ein RWE-Trikot für 5,- € zu erwerben. RWE wollte die Trikots stellen und 500,- € an die ambulante Fahrradwerkstatt der Diankonie Michaelshoven spenden. Die ambulante Fahrradwerkstatt unterstützt Jugendliche mit und ohne körperliche Beeinträchtigung bei der Integration in Beruf und Gesellschaft und liegt mit ihrem Sitz in Rösrath quasi an der Strecke des Rennens.

Wir Scuderisti bloggten, posteten und mailten also von dieser Aktion und so fanden sich vor dem Start des Jedermannrennens bei Rund um Köln die edlen Spender ein. Ebenso am Start waren die Marketingstrategen von RWE: unser netter Kontaktmann Przybylla, der die Trikots verteilte und dessen Chefs, die die Spende überreichten und eine Dankesrede an die Teilnehmer der Aktion richteten. Die Teilnehmer, die schon eine Stunde vor Rennbeginn der Challenge über 123 km vorbeischauten sind hier auf den Fotos zu sehen. Auf dem nächsten sind neben Jonas noch Jan Bakowsky von der ambulanten Fahrradwerkstatt und die Marktetingleiterin von RWE.

 

Rund in Apeldoorn

Von der Südstadt bis ins holländische Apeldoorn sind es knapp 200km. Da lohnt es sich doch, bei der diesjährigen Bahnrad-WM vorbeizuschnuppern. Ein äußerst abwechs-lungsreicher Tag, leider ohne Erfolge der deutschen Starter. Dafür war mächtig was los, als die Niederländerin Marianne Vos Gold im 10km-Scratch rennen holte. Außerdem hatten wir noch reichlich Gelegenheit, die australische Nationalhymne auswendig zu lernen.

Hier noch ein paar Schnappschüsse:

Rätsel – Wer ist das?

Großes Scuderia-Rätsel: Welcher unserer gestandenen Rennfahrer wurde hier in frühen, erfolgreichen Jahren abgelichtet?

Antworten bitte an: axel@scuderia-suedstadt.de !

Preis: Unter allen, bis zum 28.2.2011 eingegangenen, richtigen Einsendungen wird ein Scuderia-Button verlost!

Von Rahmengrößen und Esoterik

Wie bereits berichtet, stand für mich in der jüngeren Vergangenheit die Anschaffung eines neuen Rahmens an. Das sich dies etwas hingezogen hat erkennt man, wenn man die Daten der Blog-Einträge vergleicht. Gründe der Verzögerung: Eine allgemeine Entscheidungsschwierigkeit als Grundeigenschaft des Autors gepaart mit dem Anspruch den neuen Rahmen mindestens so lange wie seinen Vorgänger nutzen zu wollen, weshalb er perfekt zum Käufer passen musste. Da ich als passionierter Internetteilekäufer eine biometrische Körpervermessung im Shop nicht in Anspruch nehmen konnte oder wollte, musste ich mich zunächst im Bereich Rahmengeometrie autodidaktisch fortbilden und im Anschluss auf Zollstock und Maßband zurückgreifen.

 

Besonders ersteres, die Fortbildung auf dem Gebiet von Rahmengeometrie und Körper erwies sich hier als unterschätzte Hürde. Ich erinnerte mich zunächst an einen Kommentar auf der (hier bereits unter den Links zu findenden) Seite Rad:Technik, dass die Methode, die Rahmenhöhe aus der Schrittlänge zu bestimmen, veraltet sei. Daraus ergibt sich die Frage, wie man denn dann den optimal zum Körper passenden Rahmen finden kann, wenn nicht (allein) über die Schrittlänge? Wie nicht anders zu erwarten, wartet das Internet als Quelle der Wahl hier mit unzähligen verschiedenartigen Antworten auf. Ich möchte im Folgenden nicht in die Diskussionen zum „Frame Fitting“ einsteigen, da mir letztendlich wohl die Grundlagen in Sportphysiologie, Biomechanik und what so ever schlicht fehlen. Statt dessen gibt es eine kurze subjektive, flapsige Überschau über verschiedene Ansätze und Hilfestellungen samt dazugehöriger Links.

 

Die Bandbreite der Meinungen zum Thema Rahmen-geometrie und Körperproportionen reicht vom einen Extrem der bereits erwähnten professionellen Körpervermessung mittels Laser und/oder einer verstellbaren ergometer-ähnlichen Folterbank resultierend in einem individuell gefertigten Maßrahmen bis hin zum einfachen Kommentar, das sei alles Vodoo, denn letztendlich entscheide einzig und allein die Probefahrt. Soviel sei nun doch zur Diskussion beigetragen, dass ich mich in meiner Rahmenwahl für die Grauzone zwischen diesen Polen entschied, da ich zum Einen im Internet schlecht einen Rahmen bestellen, unaufgebaut probefahren und dann gegebenenfalls wieder zurückgeben kann. Zum Anderen bin ich der Meinung, dass auch nicht-individuelle Rahmen zum Fahrer passen können,  weil dort wo im professionellen Radsport das meiste Geld umgesetzt wird, z.B. bei der Tour, überwiegend auch nicht auf Maßrahmen sondern auf Produkten von der Stange des Sponsors gefahren wird.

Meine Methode zur Ermittlung des passenden Rahmens, war es schließlich, meinen Körper gemäß den Vorschlägen aus dem (oben als Grauzone bezeichneten) Mittelbereich an Meinungen zu vermessen und (wegen Preis und Gretchenfrage Carbon vs. Alu) in Frage kommende Rahmen mit den daraus berechneten Idealwerten für die Proportionen einzelner Komponenten der Rahmengeometrie zu vergleichen.

Nicht berücksichtigt wurde dabei ein (wirklich wahr!) evolutionsbiologischer Ansatz, demzufolge der Mensch früher auf vier Beinen gelaufen sei, daher die Armlänge immer zur Beinlänge korrespondiere und deshalb doch wieder eine Auswahl ausschließlich nach Sattelrohrlänge getroffen werden könne. Den dazu passenden Link finde ich zum Glück nicht wieder.

Dave Moulton, Rahmenbauer in Rente, gibt eine tabellarische Übersicht als Entscheidungshilfe, die neben Sattelrohr- auch Empfehlungen für die Oberrohr- und Vorbaulänge macht. Die Werte ergeben sich neben der Schrittlänge aus der Größe und (was etwas fremd anmutet) der Schuhgröße; aber warum nicht, der Fuß steht schließlich auch auf dem Rad und ist mal mehr, mal weniger gestreckt.

Sucht man im Internet nach elaborierten Meinungen zur Fahrradtechnik, stößt man eher früh als spät unweigerlich auf Sheldon Brown. Bei dessen (immer nett zu lesenden) Ergüssen zum Thema wird noch einmal die Wichtigkeit der Oberrohrlänge betont und gegen die alleinige Auswahl einer Rahmengröße nach Schrittlänge pamphletisiert. Außerdem werden Anleitungen zur Einstellung des Rades sowie eine brauchbare Link-Sammlung zum Thema Frame-Fitting gegeben.

Hilftreich fand ich außerdem eine Belegarbeit zur Erlangung einer A-Trainerlizenz von Markus Brüx. In dieser pdf werden in Kapitel 6 einige bewährte Formeln zur Berechnung der Rahmengrößen genannt.

Schließlich sind noch einige praktische Seiten zu nennen, in denen Körperproportionen eingegeben werden, woraufhin einem die Internetseite ihre Empfehlungen zur Rahmen-geometrie ausspuckt. So gibt einem z.B. Tiemeyer Cycles neben den Standardgrößen auch Empfehlungen zum Sitz- und Steuerrohrwinkel, jedoch ohne jegliche theoretische Begründung oder Darlegung der Berechnung. Ähnlich verhält es sich bei wrenchscience.com, wo einem nach unverbindlicher Anmeldung neben der klassischen Rahmenhöhe auch ein Wert für den „Overall Reach“ (Oberrohr- plus Vorbaulänge) empfohlen wird.

Das kommerzielle deutsche Trainingsinstitut 2peak bietet eine unentgeltliche Exceltabelle zur Berechnung der optimalen Sitzposition. Als sehr praktisch habe ich außerdem ein so genanntes „Body Measurement Worksheet“ von kirkframeworks.com empfunden. Eine Umfangreiche Linksammlung zum Thema bietet cyclemetrics.com.

Zu guter Letzt steuert natürlich auch Deutschlands größtes Radsportmagazin Tour seinen Senf bei: Der Tour-Ratgeber zu Geometrie und Rahmengröße empfiehlt vor allem, ein Verhältnis von Höhe und Länge des Rahmens zu wählen, das neben den Körperproportionen auch daran ausgerichtet ist, ob eher eine sportliche oder eine komfortable Sitzposition gewünscht wird. Darauf, dass es bei Tour so einen Ratgeber gibt, hätte ich schon früher kommen können; gefunden habe ich ihn allerdings erst nach dem Rahmenkauf. So weiß ich jetzt im Nachhinein, dass ich a) ein ungeheures Langbein bin (Gregor Samsa – Bruder im Geiste) und b) ziemlich sportlich auf meinem neuen Hobel sitzen werde.

 

Wohin hat mich das alles geführt? Nach einem Nachmittag der komplett für die Vermessung des eigenen Körpers draufging (Nasenlänge wurde nicht mit einbezogen) wurde das unschlagbare Angebot für einen 2010er Focus Izalco auf der Homepage des südstädtischen Bike Perfect (so viel zum passionierten Internetteilekauf: support your local dealer!) als biometrisch und esoterisch passend befunden. Gerüchteweise spielten Intuition, Überredungs-, Beratungs-kunst und Entgegenkommen des Verkäufers Dariusz Kayser sowie marketingstrategisch beim Käufer impliziertes Image des Rahmenherstellers aber auch eine nicht unerhebliche Rolle. Und hier ist das Teil, das demnächst mit Teilen seines Vorgängers und mit Hilfe des ein oder anderen Weihnachts-euros mit neuen Komponenten bestückt wird um euch (falls der Schnee jemals verschwindet) die Hacken zu zeigen:

Schildburg Süd

Aktuell wurde und wird die südstädtische Severinsstr. aufwendig kernsaniert und (aus subjektiver Sicht) hübsch gemacht. Dieser Fahrradständer passt aber anscheinend nicht ins stadtplanerische Desingkonzept, ist bereits als Ordnungswidrigkeit gebrandmarkt und wird wohl demnächst offiziell entfernt. Dabei gehört er zu einer vom Aussterben bedrohten Art, denn er scheint das einzige Exemplar op dr Vringstraß zo sin. Fahrradständer hat man anscheinend (zumindest bisher) einfach vergessen. Dafür gibt es todschicke, in den ebenerdigen Gehsteig eingelassene Halogenstrahler (gratis-Unterbodenbeleuchtung. Will man uns nötigen per Auto einkaufen zu fahren? Und wenn ja, wo sind dann die Parkplätze?

Radsport = Bonzensport ?

Kürzlich habe ich mir das Schaltwerk ins Hinterrad gehängt. Kostenpunkt der Kombination aus schlechter Einstellung, Krafteinwirkung eines Sprints auf eine denkbar ungünstige Kettenlinie (vorne: rechts; hinten: ganz links) und einem vielleicht nicht ganz verwindungssteifen Rahmen: ca. 100€ für ein neues Centaur-Schaltwerk plus Kette (vorausgesetzt, die Mavic Open Pro ist noch in Ordnung).

Die Erkenntnis, dass es mir auf dem Rennrad möglich ist innerhalb eines Sekundenbruchteils den Gegenwert von 50kg Reis für Pakistan zu verbrennen lässt wohl die Lehman Brothers vor Neid erblassen. Mich führt es jedoch zu der Frage, warum ich mir nur ein so teures Hobby gesucht habe. Kann ich meinen anfälligen Hobel weiter mit Studentenjobs finanzieren oder bleiben die zweirädrigen Boliden eigentlich der Upper Class vorbehalten wie das 3‘er Eisen und kurzgeschorener Fairway? Sowohl wirtschaftlich als auch emotional fühle ich mich beispielsweise mit dem Snob-Sport Nummer 1, Golf, überhaupt nicht verbunden. Kann ein finanzieller Vergleich meiner Leib- und Magensportart Radsport dem aber standhalten? Bei Ebay gibt es bereits für ca. 200€ eine komplette Golfausrüstung, inklusive Tasche und Schlägerschoner. Beim derzeitigen Fixie- und Singlespeed-Hype krieg ich für das Geld bei Ebay gerade mal einen brauchbaren Stahlrahmen von anno dazumal. Wenn die Jahresgebühr für einen günstigen Golfclub bei 100€ liegt, schlägt Golf auch bei den laufenden Kosten das Rad um mindestens eine Radlänge, denn wenn ich davon ausgehe, dass ich pro Saison ein Paar Conti Grand Prix 4000s, zwei mal Lenkerband, zwei Ketten und einmal Schalt- und Bremszüge erneuere, kann ich mit dem Geld noch jedes Jahr die Aufnahmegebühr eines zusätzlichen Golfclubs stemmen. Was fehlt noch auf der Rechnung? Ach ja: Das Lacoste-Polohemd! Aber auch der Radsport hat seine eigene, nicht ganz billige Kleiderordnung und im Feld will ich mich auch nur mit einer Oakley oder Rudy Project erwischen lassen. Doch das kann ich vom Lacoste-Shirt nicht behaupten!

Golf ist vielleicht aus dieser subjektiven Sicht der billigere Sport, aber emotional bleibe ich doch eher dem Radsport verbunden, eben weil er das Bonzenimage nicht hat (oder habe ich etwas verpasst?). Das gleiche gilt wohl auch für Tennis, Squash, etc.

Warum teilt der Radsport – trotz seiner immensen Kosten – aber diesen Schnöselaspekt nicht mit den genannten Leibesertüchtigungen? Nur aus historischen Gründen, also weil Golf & Co. in der Vergangenheit den besser betuchten vorbhalten waren? Oder auch, weil es genug verrückte Ausdauerjunkies gibt, die zwar im Aldi für 20€ Laufschuhe bekämen aber doch lieber den letzten Groschen für ein paar neue Carbon-Puschen zusammenkratzen?

Wie dem auch sei; ich spare mir nun erst mal das Geld für einen steiferen Rahmen vom Munde ab. Wir sehen uns auf der Strecke!